Anni Linke, geboren am 7. Oktober 1929, Genossin im SPD-Ortsverein seit 1954, feierte ihren 90. Geburtstag. So schlicht, die Daten nennend könnten wir dieses Ereignis mitteilen. Es geht aber um mehr, als um eine Mitteilung. Es geht um die Würdigung eines Frauenlebens, das sicher stellvertretend für Viele stehen kann.
Geboren ist Anni im Jahr der Weltwirtschaftskrise, vier Jahre bevor die Nazis in Deutschland durch Wahlen an die Macht kommen. Die fröhliche Begrüßung jeden Besuchers durch die Vierjährige mit „Geihei!“ wie sie den Gruß „Freiheit!“ der Genossen verstand, wird zum Risiko, die Familie zieht um. Im gleichen Jahr 1933 erlebt Anni die Durchsuchung ihrer elterlichen Wohnung und noch heute weiß sie, „… wir wären alle weggekommen, wenn sie die Fahne und die Papiere der SPD bei uns gefunden hätten.“ Die lagen versteckt zwischen Dachbalken und Dachpfannen. Ihr Großvater hatte den Ortsverein der SPD in Sinzig 1908 mitgegründet. Ihr Vater und ihr Onkel, aber auch ihre Mutter waren zeit ihres Lebens politisch aktiv in der SPD. So war es auch für sie selbstverständlich: vor 65 Jahren, 1954 wurde auch sie Mitglied der SPD.
Sie, eine junge Frau, heiratet, wird Mutter, ein Sohn und eine Tochter werden geboren. Ihr Mann Martin ist ein fürsorglicher Partner. Anni ist berufstätig, weit über die übliche Altersgrenze hinaus. Und trotz alledem: Ihr Engagement in der SPD ist ihr nie zu viel, nie eine Last. Sie ist eine, die sich kümmert, ihre Besuche zu den Geburtstagen vermitteln den Menschen Zuneigung, Wärme und ein Stück Heimat. Jahrelang kocht Anni für die Kinder auf dem Harterscheid, die dort eine unbeschwerte Ferienzeit bei der AWO verbringen. Auch Anni Linkes Reibekuchen auf den Altstadtfesten der SPD sind noch heute als Köstlichkeit in Erinnerung. Und Anni Linke wusste, wo den Bürgern der Schuh drückt. Ebenso wie im Vorstand arbeitet sie auch im Ortsbeirat der Kernstadt lange Jahre mit und hinterlässt Spuren.
Nun ist sie 90 Jahre alt geworden und darf sich liebevoll von der Familie umsorgt ausruhen. Ihren Sinziger Sozialdemokraten gibt sie zweierlei mit auf den Weg: „Unsere Aufgabe, den Interessen der kleinen Leute in der Politik Geltung zu verschaffen ist noch lange nicht erledigt.“ und: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, macht es keinen Sinn, den Kopf hängen zu lassen."