„Wenn Du weißt, wie es geht und es nicht machst …“ Franz Müntefering auf dem Neujahrsempfang der SPD

Veröffentlicht am 17.02.2020 in Veranstaltungen

Franz Müntefering

Viele Gäste aus der kommunalpolitischen Familie, aus den Vereinen und vom Bürgerforum konnte Hartmut Tann, Sprecher der Sinziger SPD-Fraktion im Ratssaal der Stadt zum Neujahrsempfang der SPD begrüßen. Sie waren gekommen um Franz Münteferings Antworten auf die Fragen: "Wie wollen wir leben?" und "Was können wir tun?" zu hören.
Bürgermeister Geron, der Hausherr, packte einige Münteferingzitate in sein launiges Grußwort, in dem er auch den konstruktiven Beitrag der Sozialdemokraten  in der Politik hervorhob.
Der Kreisvorsitzende Marcel Hürter setzte schließlich den Ton: „Wir Sozialdemokraten sind chronische Optimisten: von Menschen gemachte Probleme sind auch von Menschen zu lösen. Die deutsche Einheit ist eine Erfolgsgeschichte. Das lässt sich nicht nur an den gesunkenen Arbeitslosenzahlen ablesen. Wir haben Krisen bewältigt und wir haben hier in Rheinland-Pfalz mit gebührenfreier Bildung von der Kita bis zu Uni dafür gesorgt, dass die Lebenschancen nicht mehr so stark von der Herkunft abhängen. Eine der Aufgaben die bleiben ist es, die gesellschaftliche Spaltung aufzulösen. Das heißt:“ und hier griff er aus Lektionen aus dem alten Rom zurück „Versöhnen statt spalten!“
Nachdenklich und immer wieder unterfüttert mit Beobachtungen aus seinem langen politischen Leben machte sich dann Franz Müntefering an die Bestandsaufnahme. Die Stärke der Demokratie sei, das Gegenüber nicht als Feind zu sehen, mit ihm um Lösungen zu streiten, demokratische Entscheidungen zu akzeptieren und darauf aufzubauen. Die Haltung der SPD zur Westbindung der jungen Bundesrepublik oder die Haltung der CDU zu den Ostverträgen seien Beispiele für solche Lernprozesse. Geschwächt werde die Demokratie durch den Umgang mit neuen Medien. Politik via Twitter umgehe die gründliche Beratung in den Parlamenten, erzeuge rasend schnell Stimmungen, ohne dass Fakten und Zusammenhänge eine Rolle spielen müssten. Solchen Vereinfachungen hält er zwei Dinge entgegen: „Kompromisse machen müssen wir. Meine Freiheit hat nämlich an Deiner seine Grenze.“ Und: „Vernünftige Alte, Junge und die dazwischen müssen sich unterhaken und dafür sorgen, dass nicht die Bekloppten an die Macht kommen. Wie wollen wir leben? Wir haben Einfluss darauf. Nicht handeln geht nicht. Das gilt auch für große Brocken wie den Klimawandel und das Bevölkerungswachstum. Hier die nationalistische Karte zu ziehen, ist blanker Wahnsinn.“
Einige zaghafte Ansätze zähle die Agenda 2030 der Regierung auf. Viel davon sei noch nicht in Angriff genommen worden. Aber: „Wenn Du weißt wie es geht und es nicht machst – das ist ja noch schlimmer. Demokratie als Lebensform erweist sich vor Ort. Die vielen Ehrenamtlichen sorgen für Lebensqualität. Die, die sich hier anstrengen sind tausend Mal gerechtfertigt gegenüber denen, die außen vor sitzen und sich das Maul zerreißen. Macht die Kommunen stark! Die müssen in der Lage sein, sich auch um die Belange der Älteren zu kümmern. Schmerz- und Palliativversorgung, vereinsamende Alte und Beratung für die Betreuung Demenzkranker sind dazu einige Stichworte. Wir  können alle unseren Beitrag leisten. Unsere Währung ist die Zeit. Wir müssen sie uns nehmen und mehr miteinander reden.“
Angeregte Gäste machten davon am Ende der Rede denn auch reichlich Gebrauch.
Eine davon war übrigens Anni Linke, die eine von Müntefering eine Urkunde für ihr nun schon 65 Jahre währendes Eintreten für die SPD überreicht bekam.

 

 

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